Die Bindungsforschung zwischen Mensch und Katze

Nicht nur die Erforschung des menschlichen Verhaltens, sondern auch der Beziehung zwischen Mensch und Tier wird zu einer immer bedeutenderen wissenschaftlichen Disziplin namens Human Animal Studies.

Dabei wird erforscht, inwieweit sich auch Tiere so an Menschen binden, wie sich Menschen untereinander binden. Außerdem wird beobachtet, ob es auch bei Tieren unterschiedliche Bindungstypen gibt. Aber nicht nur Wissenschaftler aus dem Bereich der Psychologie sind an dem tierischen Bindungsverhalten interessiert, sondern auch die Futter-, Tierzubehör- und Veterinär-Pharmaindustrie möchte herausfinden, wie das Verhältnis zwischen Halter und Tier durch die Bindungsprozesse beeinflusst wird. So gibt es beispielsweise Studien, die belegen, dass Tierbesitzer, die selbst ein gestörtes Bindungsverhalten haben, ihre Hunde soweit verunsichern, dass diese auffällige Verhaltensweisen entwickeln.

An der britischen University of Lincoln wurde eine intensive Bindungsstudie mit Katzen durchgeführt. Dabei kam man zum Ergebnis, dass Katzen keine sogenannte „sichere Bindung“ zu ihrem Halter entwickeln können. Dies unterscheidet sie deutlich von Hunden, bei denen ähnliche Versuchsanordnungen ergaben, dass sich diese an ihrem Herrchen orientieren und bei ihm Zuflucht suchen, das heißt, dass sie an ihr Herrchen gebunden sind.

Für die Studie wurden zwanzig Katzenhalter mit ihren Vierbeinern ausgesucht. Dabei wurden Katze und Besitzer einer Testsituation unterzogen, die man von Bindungsstudien zwischen Müttern und Kleinkindern kennt. Bei dem sogenannten „Ainsworth Strange Situation Test“, der in den 70er Jahren von Entwicklungspsychologen entwickelt wurde, wurde beobachtet, wie sich ein Kleinkind verhält, wenn die Mutter den Raum verlässt. Bei Kindern, die dabei weinten und sich über die Rückkehr der Mutter freuten, wurde eine „sichere Bindung“ diagnostiziert. Kinder, die, wenn die Mutter den Raum verließ, einfach weiterspielten oder erstarrten, wurden entweder als „unsicher vermeidend“, „unsicher ambivalent“ oder als „desorganisiert“ eingestuft.

Das gleiche Verhalten wurde nun zwischen Katze und Katzenbesitzer analysiert. Im Fall der britischen Studien verließen die Katzenbesitzer den Raum und es wurde beobachtet, wie sich die Katzen dabei verhielten, beziehungsweise reagierten, wenn die Katzenbesitzer wieder zurückkehrten. Zusätzlich wurde die gleiche Versuchsreihe nochmals mit fremden Personen und den Katzen durchgeführt.

Es konnte zwar festgestellt werden, dass die Katzen etwas mehr miauten, wenn ihre Besitzer im Vergleich zu den Fremden den Raum verließen, doch beim Zurückkehren in den Raum freuten sich die Katzen nicht überschwänglich. Somit schlossen die Forscher darauf, dass es zwischen Mensch und Katzen keine ähnliche „sichere Bindung“ gibt, wie dies bei Kleinkindern und ihrer Mutter der Fall ist.

Sie betonten aber auch, dass das Verhalten der Katzen nichts damit zu tun hat, wie groß die Liebe zwischen Katzen und ihren Besitzern ist. Es wurde lediglich festgestellt, dass die Katze ein unabhängiges Tier ist und kein anderes Lebewesen braucht, um das Gefühl von Sicherheit zu haben. Die Studienautoren räumten aber auch ein, dass menschliche Bindungsstudien vermutlich nur bedingt geeignet sind, um die Psyche der Katzen zu erforschen.

Da auch der gesamte Wirtschaftszweig rund um den Tierbedarf ein großes Interesse daran hat, die Psyche der Haustiere besser zu verstehen, kann man davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch sehr viel mehr Energie und Geld in die Erforschung von Verhalten und Beziehungen zwischen Tierbesitzern und ihren Lieblingen investiert werden wird.